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Homophobie im Reggae

Wenn man sich mit der Problematik von homophoben Reggaetexten beschäftigt, sollte man sich zunächst einmal dessen bewusst sein, dass Homosexuelle in Jamaika, der Wiege und dem Herkunftsland des Reggae, einen sehr schweren Stand haben. Sie werden verfolgt, diskriminiert und im äußersten Falle sogar ermordet. Homosexualität ist gesetzlich verboten und unter Strafe gestellt.

Trotz stetiger Kritik von z.B. Amnesty International sieht die Regierung keinen Änderungsbedarf der aktuellen Situation und verteidigt die massiven Menschenrechtsverletzungen mit der jamaikanischen Kultur und christlichen Werten.
Die regierende Jamaica Labour Party (konservativ) hat den Song Chi Chi man des Interpreten T.O.K. 2001 im Wahlkampf verwendet, in dem es um die Verbrennung von Schwulen geht
Wer noch mehr darüber wissen will, kann sich mal das folgende Video anschauen:
http://www.youtube.com/watch?v=UZZFp-MzD-A

Als jamaikanische Künstler in Deutschland auftreten sollten, gab es verständlicherweise viele Proteste, es ging bis zur Verhinderung von Konzerten. Der so genannte "Reggae Compassionate Act" (RCA), eine Erklärung gegen Gewaltaufrufe und Homophobie, wurde von mehreren Künstlern, namentlich Beenie Man, Sizzla und Capleton unterschrieben. Er bezieht sich jedoch nur auf Auftritte außerhalb Jamaicas. Somit können in Jamaika selbst noch immer die diskriminierenden Texte gesungen werden.

Zudem hat sich beispielsweise Beenie Man 2008 geweigert, sich vor einem Konzert öffentlich gegen Homophobie auszusprechen, nachdem er bereits einmal unmittelbar vor einem Konzert in London den RCA unterschrieben und dieses später wiederrief.
Dieser und weitere Vorfälle führen für mich zu der Annahme, dass der RCA in erster Linie aus kommerziellen Gründen (abgesagte Konzerte bedeuten Verluste!) und nicht aus wahrer Überzeugung unterschrieben worden ist.

Verharmlosende Stimmen, die sich für Auftritte von homophoben Musikern aussprechen, meinen u.a.:

  • "Wenn in den Texten zum Verbrennen und Ermorden von Schwulen aufgerufen wird, sind das doch nur Metaphern, die man im übertragenen Sinne verstehen muss."
    Das würden die über 30 Homosexuellen, die in den letzten 5 Jahren ganz real, im nicht übertragenen Sinne in Jamaika wortwörtlich ermordet worden sind, vermutlich anders sehen. Das definitiv auch im physischen Sinne gefährliche Klima für Schwule und Lesben existiert zweifelsfrei und wird durch solche Songs unterstützt.
  • "Ist doch egal, was der singt, man muss es ja nicht unterstützen, sondern nur die Musik mögen."
    Nein, es ist eben nicht egal. Auch, wenn man persönlich nicht homophob ist, trägt man mit der Unterstützung der Musik, mit dem Kauf von Tonträgern und Konzertkarten sowie der Schaffung einer Fangemeinde zur Popularität und zum wirtschaftlichen Erhalt der betreffenden Künstler bei und unterstützt somit deren Menschenfeindlichkeit.
  • "Das ist eben die jamaikanische Kultur." Eine Kultur, die Menschenrechte verletzt und Intoleranz propagiert, sollte nicht unterstützt werden.
  • "Anderswo, auch in Europa, gibt es auch Homophobie, zum Beispiel in der katholischen Kirche." Das stimmt und es ist genau so scheiße.
  • "Meinungsfreiheit." Die Freiheit des einen hört da auf, wo die des anderen anfängt. Wo zum Mord an einer gesamten Gesellschaftsgruppe aufgerufen wird, ist die Grenze eindeutig überschritten und die Freiheit des anderen wird eingeschränkt.
Also, lieber öfter mal hinhören, was die Sänger da singen und die Illusion, dass es im Reggae immer nur um Liebe, Frieden und kiffen geht, ablegen. Es gibt genug guten Reggae, der ohne homophobe Texte auskommt, z.B.
Raggabund - Battyman Tunes.
23.5.10 19:53


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Band: Früchte des Zorns

Früchte des Zorns, ein "linksradikales Musikerkollektiv", nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Roman oder dessen Verfilmung, singen sehr spezielle Lieder. Sie setzen sich mit persönlichen, emotionalen Themen sowie mit Themen wie Hausbesetzungen, Homophobie und dem aktiven Widerstand auseinander. Viele der Lieder sind sehr pathetisch - das wird sicherlich nicht jedem gefallen.
Doch die Texte sind aufrüttelnd, melancholisch, ehrlich.

Kürzlich ist ein neues Album herausgebracht worden. Die sparsame, akustisch anmutende Instrumentierung ist natürlich Geschmackssache - dennnoch möchte ich jedem und jeder ans Herz legen, zumindest einmal hereinzuhören. Anspieltipps gäbe es viele, ich empfehle "brennen" und "das Herz ist ein Muskel in der Grüße einer Faust". Dieses Lied hat mir und so einigen anderen Besuchern schon magische Konzertmomente geschenkt.

Die Lieder können kostenlos angehört und heruntergeladen werden.
www.fruechtedeszorns.net

Vielleicht entdeckt so ja jemand diese Band für sich - wie gesagt, sehr speziell und nicht jedermanns/fraus Ding.

23.5.10 18:32





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